Liebe Freunde,

Ihnen und Ihren Familien einen fröhlichen und gesegneten Sonntag. Das heutige Evangelium von der wunderbaren Brotvermehrung (Johannes 6, 1-15) erzählt uns von der Güte Gottes ebenso wie von unserem Auftrag, an seinem Reich mitzubauen.

Zunächst zeigt es uns die Sorge Jesu um die Seinen. Das Volk läuft ihm im wörtlichen Sinne hinterher; die Menschen sind von seiner Ausstrahlung, von seinen Predigten so fasziniert, dass sie die Zeit und auch die Sorge um Verpflegung völlig vergessen. Jesus lässt sie nicht im Stich, er kümmert sich auch um ihre alltäglichen Bedürfnisse, er gibt ihnen nicht nur geistliche sondern auch körperliche Nahrung: Wer Jesus nachfolgt, steht unter seinem Schutz und seiner Fürsorge!

Doch der Herr vollbringt das Brotwunder nicht einfach aus dem Nichts, er will seine Jünger daran mitwirken lassen. Rein menschliche Möglichkeiten alleine (die „200 Silbergroschen“, von denen Philippus spricht, waren damals eine Menge Geld), selbst wenn man sie bis an ihre Grenzen ausreizt, würden nicht annähernd reichen. Doch wenn wir unseren Beitrag und sei er auch noch so armselig und bescheiden Jesus übergeben, wie der Knabe seine fünf Gerstenbrote und zwei Fische, dann wird er Großes damit tun. Nicht, weil Jesus diese kleine Gabe nötig hätte, sondern weil er uns als seine Mitarbeiter haben möchte.

Ich sehe darin ein Sinnbild für die „Leistungen“, die wir in unserem Leben vollbringen. Vielleicht fragen wir uns manchmal: Was ist das schon? Was nützt das, angesichts der schier übergroßen Probleme? Kann ich überhaupt etwas ausrichten? Ist nicht alles sinnlos? Machen wir es, wie der kleine Junge im Evangelium: Geben wir alles in Jesu Hände! Auch meine Arbeit im EU-Parlament sehe ich wie die fünf Gerstenbrote und die zwei Fische – nicht viel, isoliert betrachtet. Aber ich vertraue alles der Güte Gottes an und weiß, dass es dort in guten Händen ist.

Zum Schluss noch ein Hinweis auf den letzten Vers dieses Evangeliums, der häufig überlesen wird: „Da Jesus nun merkte, dass sie kommen würden und ihn ergreifen, um ihn zum König zu machen, entwich er wieder auf den Berg, er allein.“ (Joh 6,15) Jesus will keine irdische Herrschaft. Und er will diese erst recht nicht durch materielle Zuwendungen an seine Anhänger. Nicht „Brot und Spiele“, wie es die Herrscher seiner Zeit praktizierten und wie es heute teilweise wieder gang und gäbe ist. Die Brotvermehrung war ein Beweis von Jesu göttlicher Vollmacht, kein Prototyp eines Rundum-Sorglos-Pakets, wie es viele Menschen damals vom Messias erwarteten und wie es viele heute von den selbsternannten irdischen Messiassen unserer Zeit erhoffen.

Ja, Gott sorgt für uns, er lässt uns nicht im Stich. Aber er will, dass wir das Unsere dazu beitragen. Er will nicht, dass wir die Hände in den Schoß legen. Für uns gilt das strenge Wort des Apostels Paulus, dass wer nicht arbeiten will, auch nicht essen soll (vgl. 2.Thess, 3,10).

Freuen wir uns darüber, dass Gott uns gewürdigt hat, an Seinem Reich mitzubauen, dass unsere bescheidenen Beiträge für Ihn einen so hohen Wert haben und dass Seine Güte uns daraus unermesslich viel schenken wird.

Herzliche Grüße

Ihr

Joachim Kuhs