Liebe Mitbürger,

der gestern zu Ende gegangene Katholikentag zeigte einmal mehr wie Politisierung und Bedeutungsverlust der Kirchen in Deutschland Hand in Hand gehen. Vom 29. Mai bis 2. Juni hatten sich Politiker und Kirchenfunktionäre in Erfurt ein Stelldichein gegeben, mit rund 23.000 Teilnehmern (die Zahlen variieren je nach Quelle) wurde der Negativrekord von vor zwei Jahren (27.000) noch einmal unterboten. Auch das Programm war im Vergleich zu früheren Veranstaltungen (von 1.200 Programmpunkten auf 500 Programmpunkte) deutlich eingedampft worden.

Katholikentage waren – genau wie evangelische Kirchentage – zwar niemals völlig unpolitisch, doch ist die Politisierung in den letzten Jahrzehnten beständig gestiegen und immer einseitiger geworden. Von SPD- oder Grünen-Parteitagen sind sie inhaltlich kaum noch zu unterscheiden. Die Funktionärsklientel der deutschen Katholiken hat denn auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und den Grünen Annalena Baerbock und Robert Habeck begeistert applaudiert.

Überhaupt ging es eher darum, dass sich Katholiken von roten und grünen Politikern die Welt erklären lassen. Bezeichnend und beschämend war, dass auf einem Podium der Abtreibungsparagraph 218 diskutiert wurde, den die Ampel bekanntlich noch stärker aufweichen möchte, ohne dass einer der Diskutanten die Position der Kirche energisch vertreten hätte – eine Kapitulation vor der Politik zum Schaden des Lebensrechts und der Menschenwürde ungeborener Kinder. Absurde Welt: Lebensschützer, die am Rande des Katholikentags für das Lebensrecht der Ungeborenen eintraten wurde stärker kritisiert als Abtreibungsbefürworter!

Christliche AfD-Vertreter hatten von vornherein keine Einladung erhalten. Offensichtlich sah man sich nicht in der Lage uns inhaltlich zu stellen. Oder die Veranstalter hatten Angst, dass die Menschen eine Woche vor der EU-Wahl feststellen, dass die AfD in vielen Punkten christlichere Standpunkte vertritt als mancher Kirchenfunktionär. Dass die Präsidentin des Zentralkommitees der deutschen Katholiken, Irme Stetter-Karp, die Ausgrenzung der AfD verteidigte und sich zugleich freute, dass auch Muslime und Nichtreligiöse teilnahmen, zeigt klar: Es geht nicht um den wechselseitigen Austausch von Christen unterschiedlicher Strömungen sondern um die Durchsetzung einer politische Agenda mit Protagonisten gleich welcher Religion.

Es ist ein bemerkenswertes Zeichen, dass sich ausgerechnet zur Mitte des Katholikentags, am 31. Mai, die Verabschiedung der Barmer Erklärung zum 90. Mal jährt. Diese theologische Erklärung war 1934 von Vertretern der Deutschen Evangelischen Kirche verfasst worden, die sich nicht dem NS-Regime und der dem Nationalsozialismus nahestehenden Kirchenpartei „Deutsche Christen“ unterwerfen wollten. Die Barmer Erklärung wurde zum Fundament der „Bekennenden Kirche“.

Einige Thesen dieser Erklärung möchte ich in der heutigen Zeit auch den katholischen Brüdern ans Herz legen. So lautet gleich die I. These: „Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben.“ Ein Grundsatz, der angesichts der Gefahr einer globalistischen Religionsvermischung dringend wieder ins Gedächtnis gerufen werden muss.

Die III. These – das hat der Katholikentag schmerzlich gezeigt – ist ebenfalls dringend zu beherzigen: Darin heißt es: „Wir verwerfen die falsche Lehre, als dürfe die Kirche die Gestalt ihrer Botschaft und ihrer Ordnung ihrem Belieben oder dem Wechsel der jeweils herrschenden weltanschaulichen und politischen Überzeugungen überlassen.“

Ähnlich die V. These: „Wir verwerfen die falsche Lehre, als solle und könne der Staat über seinen besonderen Auftrag hinaus die einzige und totale Ordnung menschlichen Lebens werden und also auch die Bestimmung der Kirche erfüllen. Wir verwerfen die falsche Lehre, als solle und könne sich die Kirche über ihren besonderen Auftrag hinaus staatliche Art, staatliche Aufgaben und staatliche Würde aneignen und damit selbst zu einem Organ des Staates werden.“

Und schließlich die VI. These: „Wir verwerfen die falsche Lehre, als könne die Kirche in menschlicher Selbstherrlichkeit das Wort und Werk des Herrn in den Dienst irgendwelcher eigenmächtig gewählter Wünsche, Zwecke und Pläne stellen.“

Wir – Christen aller Konfessionen – brauchen mehr mutiges Bekenntnis und keine Anpassung an politisch-ideologische Träumereien. Wir müssen als Christen dagegenhalten, wenn der Staat die Rechte seiner Bürger missachtet und die Kirchen zu Sprechpuppen einer unchristlichen Ideologie machen will. Und wir müssen als christliche Staatsbürger unsere Pflicht wahrnehmen und bei Wahlen einer solchen Ideologie die rote Karte zeigen.

Dafür bin ich stets eingetreten und dafür werde ich auch zukünftig eintreten.

Herzliche Grüße

Ihr

Joachim Kuhs