Liebe Mitbürger, liebe Freunde,

Ihnen und Ihren Familien einen frohen und gesegneten Sonntag. Mit dem heutigen Sonntag Judika treten wir in den engeren Kreis der Passionszeit ein, wir gehen nun mit großen Schritten auf den Höhepunkt, des irdischen Lebens Jesu zu: seinen Opfertod am Kreuz.

Im Evangelium des heutigen Sonntag (Markus 10, 35-45) treten zwei seiner Jünger, die Brüder Jakobus und Johannes, an Jesus mit der Bitte heran, „dass wir sitzen einer zu deiner Rechten und einer zu deiner Linken in deiner Herrlichkeit“ (Mk 10,37). Sie fordern eine Belohnung für ihren Dienst, sie wollen Anteil an seiner Herrschaft, sie wollen als seine engsten Mitarbeiter selbst herrschen.

Die übrigen zehn Apostel sind verständlicherweise empört, sie werden „unwillig über Jakobus und Johannes“ (Mk 10,41). Doch ist wirklich die Dreistigkeit, der zwei Brüder, der Grund für ihren Unwillen oder vielleicht nur der Wunsch, selbst an deren Stelle zu stehen?

Zugrunde liegt bei allen Jüngern, ja sowohl bei den Freunden wie auch den Feinden Jesu eine falsche Vorstellung über den Messias. Sie können sich den Messias nur als Herrschergestalt vorstellen und die Jünger des Messias als Mit-Herrscher. Jesus belehrt sie daher: „Ihr wisst, die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder, und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an. Aber so ist es unter euch nicht; sondern wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein; und wer unter euch der Erste sein will, der soll aller Knecht sein.“ Und dann kommt der entscheidende Satz: „Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele.

Gottes Sohn ist nicht in die Welt gekommen, um die Menschen sozusagen von außen, mit göttlicher Gewalt zum Guten zu zwingen. Er will die Menschheit von innen her erlösen: Als Mensch, der unseren Ungehorsam mit seinem Gehorsam bis zum Tod sühnt. So ist er der „Knecht Gottes“ (vgl. Jes 53) und so wird er unser aller Diener.

Das gilt auch für seine Jünger, damals wie heute. Als Christen müssen wir uns als Diener unserer Mitmenschen begreifen – das ist wahre Christusnachfolge.

Dies gilt auch für die Politik. An der traurigen Tatsache, dass die, die als Herrscher gelten ihre Völker niederhalten und die Mächtigen ihnen Gewalt antun, hat sich auch 2.000 Jahre nach Christus nichts geändert. Und das Verhalten von Jakobus und Johannes – kommt uns das nicht bekannt vor? Netzwerken, Speichellecken, sich hochdienen, um später selbst über seine Mitmenschen herrschen zu können? Diese Versuchungen befallen über kurz oder lang jeden, der politisch tätig wird, ob auf EU-Ebene, ob auf nationaler Ebene bis hinab in die Kommunalpolitik – und zwar, das sage ich ganz ehrlich, völlig unabhängig davon, welcher Partei man angehört.

Es gilt, solchen Versuchungen zu widerstehen. Wer Verantwortung trägt, auch und gerade politische Verantwortung, wer ein Amt hat, der muss es als Dienst an seinen Mitmenschen verstehen. Wer dies tut, wird die Freiheit seiner Mitmenschen respektieren.

Ein abschließender Gedanke: Jesus betont ausdrücklich, dass er gekommen ist zu dienen. Lassen wir dies zu. Lassen wir uns von Jesus bedienen! Öffnen wir uns für seine Gnade. Bilden wir uns nicht ein, dass wir etwas aus eigener Kraft erreichen könnten. Gott will uns seine Gnade schenken. Er will uns in überreichem Maß geben, was wir brauchen. Verzweifeln wir nicht an unserer Schwachheit, sondern vertrauen wir Seiner Kraft!

In diesem Sinne Ihnen allen einen fröhlichen Sonntag

Ihr

Joachim Kuhs