Liebe Mitbürger,

Ihnen allen einen schönen Martinstag!

Die Gestalt des Martin von Tours zeigt einmal mehr, welche Bedeutung das Christentum für die Einheit Europas hatte und hat. Martin ist eine wahrhaft europäische Persönlichkeit: geboren im heutigen Ungarn, aufgewachsen in Oberitalien, als römischer Soldat stationiert in Gallien, Christ, Klostergründer und schließlich bis zu seinem Tod Bischof von Tours.

Und mehr noch als sein Leben zeugt seine Verehrung von der christlichen Einheit Europas: Rund 4.000 Kirchen in Frankreich, je etwa 500 in Spanien und Deutschland, 700 in Italien, 350 in Ungarn und 250 in Österreich zeugen von der Verehrung, die der Heiliggesprochene in ganz Europa genießt.

Am bekanntesten ist die Erzählung von der Mantelteilung: Der noch nicht getaufte Martin begegnet an einem kalten Wintertag auf dem Weg nach Amiens am Stadttor einem in Lumpen gehüllten Bettler. Er teilt seinen Soldatenmantel und reicht die Hälfte dem Frierenden. In dieser Nacht erscheint ihm Christus, bekleidet mit jener Hälfte des Mantels, wie zur Bestätigung der Worte: „Ich war nackt, und ihr habt mich bekleidet […] Wahrlich, ich sage euch, was ihr einem dieser Geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ (Matthäusevangelium 25,36.40)

Martin ist damit zum Muster eines Heiligen der Nächstenliebe geworden. Das Schwert, ein Werkzeug des Tötens wird in seinen Händen zum Werkzeug des Teilens. Er zeigt, was Nächstenliebe heißt: Dem konkreten Menschen in Not, der einem begegnet, helfen. Und – das muss gesagt werden, da der Begriff der christlichen Nächstenliebe heute vielfach sozialistisch missdeutet und instrumentalisiert wird – er teilt seinen eigenen Mantel, während im Sozialismus eine Beamtenelite anderen die Mäntel wegnimmt.

Zum Brauchtum des Martinstages gehören die Laternenumzüge der Kinder mit dem Singen von Martinsliedern, aber auch üppiges Essen und Trinken. Letzteres weil früher am Tag nach dem Martinstag, die Adventsfastenzeit begann und man zuvor noch einmal kräftig feierte. Am 11. November endete auch das bäuerliche Arbeitsjahr, Dienstverhältnisse liefen aus, Zins und Pacht wurden fällig. Auch diese Regel galt und gilt noch in weiten Teilen Europas.

Europa, das zeigt sich am Beispiel des Martin von Tours einmal mehr, muss sich auf seine christlichen Wurzeln besinnen, wenn es eine gemeinsame Zukunft haben will. Im antichristlichen Furor der Französischen Revolution wurde die Grabstätte des Heiligen zerstört und im selben Ungeist wird heute mancherorts versucht, das Martinsfest als „Laternenfest“ seines christlichen Ursprungs und Inhalts zu berauben.

Lassen wir das nicht zu, sondern feiern wir unsere Traditionen! Wir haben keinen Grund, uns unserer Wurzeln zu schämen.

So wünsche ich Ihnen, vor allem aber Ihren Kindern und Enkeln einen schönen Martinstag.

Ihr

Joachim Kuhs