Liebe Mitbürger,
„Wie sollen sie aber den anrufen, an den sie nicht glauben? Wie sollen sie aber an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie aber hören ohne Prediger? Wie sollen sie aber predigen, wenn sie nicht gesandt werden? Wie denn geschrieben steht (Jes 52,7): »Wie lieblich sind die Füße der Freudenboten, die das Gute verkündigen!«“ (Römerbrief 10, 14f)
Diese Worte aus der Epistel des heutigen Sonntags bestechen durch ihre klare Logik: Eine Beziehung zu Gott ist nur möglich, wenn man an ihn glaubt. An Gott zu glauben ist wiederum nur möglich, wenn man etwas über ihn weiß und dazu braucht es wiederum Menschen, die von ihm erzählen. Der Glaubensschwund den wir in Europa derzeit erleben (während auf anderen Kontinenten die Zahl der Christen wächst), dürfte in erster Linie auf mangelnde Glaubensverkündigung zurückgehen.
Trotz eines milliardenschweren Apparats und zigtausender hauptamtlicher Mitarbeiter schaffen es die beiden Großkirchen in Deutschland nicht, den Glauben an die nächsten Generationen weiterzugeben. Sie ergehen sich lieber in endlosen politischen Debatten und Appellen, vorzugsweise links-grünen Inhalts, als vom Gott der Bibel zu erzählen. Doch eine Firma, die ihr Kerngeschäft vernachlässigt, geht über kurz oder lang pleite. Die Austrittszahlen und der dramatische Rückgang der Taufen sprechen eine deutliche Sprache.
Wenn wir wollen, dass der christliche Glaube in Europa nicht verdunstet, müssen wir selbst aktiv werden. Ohnehin ist der erste Ort für die Weitergabe des Glaubens die Familie. Eltern, die ihren Kindern von Gott erzählen und vor allen Dingen ihren eigenen Glauben vorleben, sind die ersten und wichtigsten Apostel. Und Gott sei Dank gibt es immer noch viele gute Gemeinden, in denen Glaubensgemeinschaft gelebt werden kann. Jeder von uns ist außerdem aufgerufen, seinen eigenen Glauben furchtlos zu bekennen – Möglichkeiten dazu gibt es viele.
An politischen Rahmenbedingungen braucht es dazu keine Privilegien sondern Freiheit. Die Religionsfreiheit, wozu auch die Möglichkeit gehört, seine Religion gefahrlos zu wechseln, ist ein Grundrecht, auf dessen Einhaltung ich im EU-Parlament immer wieder poche und dessen Fehlen ich nicht müde werde, anzuprangern. In vielen muslimischen Länder, in Nordkorea, China, Indien und vielen weiteren Staaten ist diese Freiheit nicht oder nur sehr eingeschränkt vorhanden. Aber auch im Westen sind Cancel Culture, political Correctness und subtile Einschränkungen der Meinungsfreiheit eine Gefahr für die ungehinderte Religionsausübung.
Erhalten wir uns und erkämpfen wir uns unsere Freiheit! Und nutzen wir sie! Wir sollten keine Scheu haben, uns zu unserem Glauben zu bekennen und ihn weiterzutragen. Vergessen wir nicht, wir sind „Freudenboten“, denn wir haben den Menschen das Beste anzubieten, was es gibt: die Gemeinschaft mit Gott.
Ihnen und Ihren Familien wünsche ich einen fröhlichen, gesegneten Sonntag.
Herzliche Grüße
Ihr
Joachim Kuhs