Liebe Mitbürger,

der zweite Sonntag der Passionszeit trägt den lateinischen Namen „Reminiszere“ (dt. „Gedenke“) nach dem Eröffnungsvers aus Psalm 25,6: „Gedenke, Herr, an deine Barmherzigkeit und an deine Güte, die von Ewigkeit her gewesen sind.“

Die Barmherzigkeit Gottes anzurufen, heißt auch einzugestehen, dass wir Sünder sind. Denn nur wer gesündigt hat, hat auch Barmherzigkeit nötig. Konsequent fährt Psalm 25 dann auch fort:

„Gedenke nicht der Sünden meiner Jugend und meiner Übertretungen, gedenke aber meiner nach deiner Barmherzigkeit, Herr, um deiner Güte willen! Der Herr ist gut und gerecht; darum weist er Sündern den Weg. Er leitet die Elenden recht und lehrt die Elenden seinen Weg. Die Wege des Herrn sind lauter Güte und Treue für alle, die seinen Bund und seine Zeugnisse halten. Um deines Namens willen, Herr, vergib mir meine Schuld, die da groß ist!“

Gerade im politischen Betrieb – ich erlebe dies im EU-Betrieb fast tagtäglich – wo es zum Alltagsgeschäft gehört, Verantwortung von sich zu weisen und alles, was schief läuft, anderen in die Schuhe zu schieben, verdienen diese Psalmworte besondere Beachtung. Aber auch in unserem privaten oder beruflichen Umfeld fällt es uns zugegebenermaßen schwer, Verfehlungen einzugestehen.

Wir sollten uns wieder daran erinnern, dass die Sünde keine Bagatelle sondern eine Zurückweisung von Gottes Liebe ist, eine mehr oder minder starke Abkehr von Gott. Ja, Gott ist gütig und barmherzig, wir brauchen aber lebendigen Glauben an diesen Gott und entschlossene Umkehr von unseren sündigen Wegen, wie es der zitierte Psalm so wunderbar ausdrückt.

Im Verhältnis des Menschen zu Gott, hat sich in den letzten Jahrzehnten in unseren Kirchen eine regelrechte Umdeutung der Werte breitgemacht. Sünden werden als „Fehler und Schwächen“ verharmlost und Gott als der nette Opa dargestellt, der alle Fünfe gerade sein lässt. Verstöße gegen Gottes Gebote werden bagatellisiert, an ihre Stelle treten Verstöße gegen gesellschaftliche Moden – Gender-Gaga, „Klima“, politische Korrektheit – diese werden auch von den Kirchen gnadenlos sanktioniert.

Den – vorläufigen – Höhepunkt dieser Umwertung der christlichen Lehre zelebrierte die Bischofskonferenz der katholischen Bischöfe in Deutschland diese Woche. Nach dem Willen dieser sogenannten „Hirten“ soll eine Mitgliedschaft in der AfD mit kirchlichen Ehrenämtern unvereinbar sein. Ja selbst die Wahl der AfD sei einem Christen nicht gestattet. Gegenüber den Abtreibungsbefürwortern, Gender-Ideologen und Anti-Familienpolitikern der Grünen, Linken und SPD sucht man solch eine bischöfliche Warnung dagegen vergebens.

Lassen wir uns davon nicht verrückt machen. Nutzen wir die Fastenzeit lieber, um unser Gewissen anhand der biblischen Überlieferung zu schärfen, neu über unser Leben und unseren Glauben nachzudenken und entschlossen wieder auf Gottes Wegen zu gehen.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Lieben einen gesegneten zweiten Fastensonntag.

Ihr

Joachim Kuhs